Glenglassaugh – Messeabfüllung Whisky & Tobacco Days 2012

Glenglassaugh – Messeabfüllung Whisky & Tobacco Days 2012

Gepostet von am Apr 1, 2013 in Featured, Verkostungsnotizen | 1 Kommentar

Glenglassaugh – Messeabfüllung Whisky & Tobacco Days 2012

 

Der Whisky und die Meerjungfrau

 

Die Facts

 
Destillery: Glenglassaugh
Region: Portsoy, Banffshire, Speyside, Schottland
Abfüller: Glenglassaugh
Edition: Messeabfüllung Whisky & Tobacco Days
Fasstyp: Red Wine Cask – Einzelfassabfüllung
Vol.: 59,9 %
Destilliert: 2008
Filtrierung: unchillfiltered
Farbstoffe: natural colour
Abgefüllt: 2012
Alter: keine Angabe
Menge: Einzelfassabfüllung
Inhalt: 0,7 l

 

Destillery: Glenglassaugh

 
Glenglassaugh liegt hoch im Norden Schottlands, in Aberdeenshire, in einem Dorf namens Portsoy, das bekannt ist für seinen Marmor, der, obwohl nach Schloss Versailles geliefert, gar kein echter Marmor ist. Der Whisky, der in der Destillerie seit 1875 hergestellt wurde, war allerdings sehr wohl ein Whisky und erwarb sich wegen seiner hohen Qualität schnell einen guten Ruf. Doch der nützte auch nichts, als der Absatz Anfang des 20. Jahrhunderts einbrach. Glenglassaugh wurde stillgelegt. Es folgten Jahre der Neueröffnung, der Schließung, der Renovierung und Vergrößerung. 1986 wurde die Brennerei wieder geschlossen und erst seit 2008 ist neues Leben in den alten Gemäuern. Die Brennerei wurde an The Scaent Group verkauft und vor wenigen Tagen wechselte der Besitzer zum (vorerst) letzten Mal: Die BenRiach Distillery Company darf sich jetzt glücklich schätzen.

17. April 2012. Eine Pressemeldung der Glenglassaugh Distillery erregt Aufmerksamkeit. Sie kündigt den ersten Spirit an. Nach genau drei Jahren, am 16.12.2011 wurde das “First Cask” in Flaschen gefüllt. Der Glenglassaugh “Revival” – nomen est omen – ist 3 Jahre jung, 46 % stark, ungefiltert, ungefärbt und handgebottled. Besonders interessant ist die Art seines Ausbaus. Der Whisky ist eine Vermählung von verschiedenen First Fill und Refill Casks (Rotwein, Bourbon und Hogsheads) und reift anschließend 6 Monate in einem First Fill Oloroso Sherry Cask. Das Ergebnis ist ein robuster Whisky, süß und fruchtig, harmonisch und cremig mit Noten von Sherry und einem Hauch von Seeluft.

Anders der Whisky, von dem wir hier und jetzt berichten. Zwar stammt unser Glenglassaugh auch aus der “Revival” Produktion, doch er ist das Ergebnis einer Einzelfassabfüllung, der ersten für eine Messe und der ersten aus einem Rotweinfass – weltweit übrigens. Und natürlich in Fassstärke, wie es bei den Whisky & Tobacco Days Tradition ist. Wenn das keinen Grund für ein literarisches Tasting liefert. Vielleicht sagen Sie jetzt: “Der ist ja noch so jung”. Yepp! Da haben Sie recht. Aber er hat es faustdick hinter den Ohren. Lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte erzählen, inspiriert von diesem feinen Tropfen und völlig frei nach Oscar Wilde.

 

Foucaults literarische Tasting Notes

 

Foucaults literarische Tasting Notes

Kein guter Tag für einen Segeltörn. Nur ein seichtes Lüftchen weht. Stellen Sie sich einen jungen Mann in einem Segelboot vor. Ich nenne ihn Eoin.

Eoin ankert an einer ruhigen Stelle nahe des Ufers im Moray Firth. Er hat die Segel eingeholt, es sich auf Deck bequem gemacht und döst. Die Sonne hat die düsteren Wolken der letzten Tage verjagt und einem unendlichen blauen Himmel Platz gemacht. Sonnenstrahlen wärmen Eoins Gesicht.

Er schnuppert. Nein, das kann nicht sein. Er schnuppert wieder. Ein Hauch von Toffee weht über ihn hinweg. Toffee und Karamell. Es riecht wie früher, wenn die Mutter Zucker und Butter aufkochte. Eoin schlägt die Augen auf und traut ihnen nicht. Ihm gegenüber sitzt eine junge Frau mit langen rotblonden Haaren, einem hautengen rosafarbenen Shirt und … einem orangenen mit großen Schuppen bedeckten Fischschwanz.

Fischschwanz? Eoin blinzelt und schüttelt den Kopf.

Das kann nicht sein. Eine Meerjungfrau!? Eoin lacht schrill und springt auf, als könne er die Erscheinung mit einer lauten und schnellen Bewegung in Luft auflösen. Aber die junge Fischfrau scheint nicht schreckhaft zu sein. Lächelnd weist sie auf drei Teller, die sie auf einem kleinen Tisch angerichtet hat.

Da sind die Toffees, die Eoin gerochen hatte, und eine Traube mit dunkelroten Beeren. Zwei rote Äpfel glänzen in der Sonne. Die Meerjungfrau zeigt auf den Platz neben sich. Eoin setzt sich vorsichtig. Nein, nach Fisch riecht sie nun überhaupt nicht. Die Meerjungfrau nimmt ein Messer, schneidet einen Apfel und reicht ihm ein Stück. Eine frische Brise überrascht ihn, Zitrusnoten prickeln in seiner Nase. Eoin greift nach der Hand der Frau, um den Apfel zu essen, doch sie entzieht sie ihm. Die Fischfrau wirft den Kopf in den Nacken und lacht. Die Sonne hat eine leichte Röte in ihr blasses Gesicht gezaubert. Sie ist schön wie Porzellan und genauso zerbrechlich, schießt es Eoin durch den Kopf.

Jetzt reicht sie ihm einen Quaiche und deutet ihm zu trinken. Whisky, fragt Eoin, ohne eine Antwort zu erwarten. Tatsächlich lächelt sie nur. Was sollte passieren? Eoin macht sich Mut. Er mustert das Gesicht der jungen Frau. Er kennt dieses Gesicht, die feine Nase, die grünen Augen, in denen sich der ganze Himmel zu spiegeln scheint. Nur einen Augenblick kribbeln Erinnerungen im Magen, Erinnerung an … Schon ist das Kribbeln wieder verschwunden. Zögernd setzt er den Quaiche an die Lippen und schmeckt süße Trauben, die sanft seinen Gaumen bespielen, Vanillenoten, die die Zunge umschmeicheln. Die aufsteigend Wärme beruhigt Eoin. Alles ist gut.

Dann – Eoin greift sich an den Hals – die Schärfe kommt völlig unerwartet. Pfeffer schießt ihm in die Nase und es brennt auf seiner Zunge, als hätte er auf Chilischoten gebissen. Eoin springt auf, seine Füße verheddern sich in den Seilen, er stolpert, sein Hinterkopf schlägt irgendwo an. Der Pfeffer auf seiner Zunge und im Gaumen prickelt noch immer. Jetzt erst spürt er eine leichte Süße. Keine, die ihn betören will. Keine schwere betäubende Süße. Nein. Diese Süße streichelt ihn, sie singt für ihn ein Lied, leise, langsam, lieblich. Ein Lied, wie es die Mutter für ihn gesungen hat, wenn er Trost brauchte, wenn er Liebe brauchte. Vorsichtig setzt Eoin sich hin.

Die Meerjungfrau ist verschwunden. Genauso die Teller mit Toffee, Äpfeln und Beeren. Eoin reibt sich die Augen und befühlt seinen Kopf. Hinten entdeckt er eine schmerzhafte Beule. Er stöhnt. Mühsam richtet er sich auf und schaut sich suchend um. Wo ist sie hin? Dann entdeckt er die Gestalt am Ufer. Sie ist schön, sie ist jung. Ihre langen rotblonden Haare wehen im Wind. Das rosafarbene Kleid flattert aufgeregt. Kein Fischschwanz, keine Meerjungfrau, nein, das ist eine Frau mit Seele. Ein frischer Wind ist aufgekommen. Die Segel zerren an den Seilen, fordern ihn auf, sich zu entscheiden. Perfektes Segelwetter, denkt Eoin, doch er rührt sich nicht. Die junge Frau am Ufer formt ihre Hände zu einem Trichter. Sie scheint Eoin irgendetwas zuzurufen.

Wenn ich nur hören könnte, was sie ruft. Vielleicht muss ich, um sie zu verstehen, noch einen Glenglassaugh probieren?

 

PS: Sie möchten auch eine Meerjungfrau verstehe? Einen MacMalt, WhisTo Glenglassaugh, Red Wine Cask, Cask Strength 59,9% sollte ich noch haben. Schauen Sie mal in meinen Shop. Ein Klick genügt …

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(C) Uwe Foucault Langner | WhiskyOthek | 01.04.2013 | Foto: (C) Lyn McDowall

    1 Kommentar

  1. Vielen Dank für diese wunderschöne Ode an den Whisky – an diesen Whisky. Eine traumhafte Art, uns das “Wasser des Lebens” Nahe zu bringen; da bleibt nur die Bitte um: MEHR!!!

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